Max Stirner: Leben und Werk

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Max StirnerWerke
Der Einzige und sein Eigentum
Über Schulgesetze
Die Eisenbahn (Artikel)
Ueber Br. Bauers Posaune
Gegenwort
Leipziger Allgemeine Zeitung (Artikel)
Das unwahre Prinzip unserer Erziehung
Kunst und Religion
Christenthum und Antichristenthu
Ueber die Verpflichtung der Staatsbürger...
Rheinische Zeitung (Artikel)
Einiges Vorläufige über den Liebesstaat
Die Mysterien von Paris
Recensenten Stirners
Bruno Bauer
Journal des oesterreichischen Lloyd (Artikel)

Max Stirner als Übersetzer und Herausgeber
Stirner, Max [Hrsg.]: Die National-Ökonomen der Franzosen und Engländer. I. 1.-4. Band. Ausführliches Lehrbuch der praktischen Politischen Ökonomie. Von J[ean] B[aptiste] Say.
Deutsch mit Anmerkungen von Max Stirner. 1845-46.

Stirner, Max [Hrsg.]: Die National-Ökonomen der Franzosen und Engländer. II. 5.-8. Band. Untersuchungen über das Wesen und die Ursachen des Nationalreichthums. Von Adam Smith. Deutsch mit Anmerkungen von Max Stirner. 1846-1847.

Stirner, Max [Hrsg.]: Die National-Ökonomen der Franzosen und Engländer. III. 9.-10. Band. Die der Nationalökonomie oder die Philosophie der Noth. Von P[ierre] J[oseph] Proudhon. Deutsch v. Wilhelm Jordan. 1847.

Die Geschichte der Reaction.
1. Abtheilung: Die Vorläufer der Reaction.
2. Abtheilung: Die moderne Reaction. Berlin 1852

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Max-Stirner-Bibliographie von Bernd Kast

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Sind Max Stirner und G. Edward ein und dieselbe Person? Eine vorläufige Bilanz

Nicht nur schon 1847, dem Erscheinungsjahr des Artikels "Die philosophischen Reaktionäre. Die modernen Sophisten von Kuno Fischer", geschrieben von einem Mann namens G. Edward [Die Epigonen. 4. Band. Leipzig 1847, pp. 141-151], wurde angenommen, daß es sich hier um ein Pseudonym von Max Stirner alias Johann Caspar Schmidt handele.

So schrieb Arnold Ruge an Kuno Fischer (Leipzig, 14. März 1847): "Rößler hat Ihnen Stirners Antwort gebracht." Das scheint auch der Anfang der Annahme zu sein, daß Stirner dieser G. Edward sei.

In seiner Biographie über Max Stirner setze Mackay diese Mär unbekümmert fort: "Nur einmal noch, zum zweiten und letzten Male antwortete Stirner auf eine Kritik seines Werkes. Es geschah fast zwei Jahre später. Wigand hatte seiner 'Vierteljahrsschrift', die nach kurzem Bestehen unterdrückt worden war, die 'Epigonen' folgen lassen. Hier, in dem vierten Bande, von 1847, nachdem in den vorhergehenden Bänden vielfach von seinem Buche die Rede gewesen war, veröffentlichte Stirner unter dem Pseudonym G. Edward eine Entgegnung an Kuno Fischer. ... Bei genauer Betrachtung der Antwort von G. Edward möchte es zuweilen den Anschein haben, als rühre dieselbe überhaupt nicht aus Stirner’s Feder her. Nicht etwa, weil der Verfasser, wie natürlich, von Stirner als einer dritten Person spricht, sondern weil der Stil der kurzen Arbeit nicht immer die sonst unverkennbaren Eigenschaften der Stirner’schen Schreibweise aufweist. Aber Fischer nimmt mit solcher Bestimmtheit Stirner als den Verfasser an und dieser hat selbst so wenig den Versuch gemacht, seiner Annahme zu widersprechen, daß wir bei aller Vorsicht wohl berechtigt sind, den in so vielen Einzelheiten außerordentlich bedeutenden Aufsatz als eine Arbeit Stirner’s zu betrachten." [Reprint-Ausgabe der Mackay-Gesellschaft, Freiburg/Br. 1977, S. 172/173]

Dieser Standpunkt scheint bis heute unausrottbar zu sein, obwohl es es genügend Anhaltspunkte gibt, daß Max Stirner und G. Edward nicht ein und dieselbe Person sein können.

Wohl als erster hatte Hermann Schultheiß die Identität von Stirner und Edward bestritten, ohne jedoch näher darauf einzugehen. Er schrieb zu diesem Sachverhalt: Die Antwort von G. Edward an Kuno Fischer sei "das Beste, was jemals über Stirner geschrieben worden ist, zeugt von vollkommenem Verständnis und bekommt es fertig, unter einem sicher geführten männlichern Esprit und beträchtliche Kraft und Gewandtheit des Stils Fischers vehemente Attacken ganz zu erdrücken. " [*Stirneriana 11*, Leipzig 1998, S. 14]

Weiter führt er aus, ohne jedoch selbst seine Annahme damit zu beweisen: "Man hat die mit G. Edward unterzeichnete Schrift häufig für von Stirner selbst herrührend gehalten; K. Fischer scheint schon diese Meinung gehabt zu haben, und Mackay hat die Arbeit, wiewohl er schwankt, unter Stirners kleineren Schriften mit abdrucken lassen. Indessen kann für einen, der Stirners Art und Stil genauer kennt, kein Zweifel walten. Der Artikel ist nicht von Stirner. Höchstwahrscheinlich aber ist es, daß er mir Stirners Wissen und gedanklich unter seiner Ägide geschrieben ist. Er kann daher ebenso wie der Aufsatz 'Rezensenten Stirners' einfach als polemischer Nachtrag zu dem Hauptwerke aufgefaßt werden." [Ebenda]

Da Mackay trotz der Schultheißschen Vorbehalte den Artikel von G. Edward in die "Kleineren Schriften" aufnahm, sorgte dies für den Erhalt der falschen Annahme, wonach sich Max Stirner hinter G. Edward verborgen haben soll. Ungeprüft wurde diese Annahme auch in das "Deutsche[s] Pseudonym-Lexikon" aufgenommen, das von sich behauptete, aus "den Quellen" gearbeitet zu haben. [Akademischer Verlag, Wien und Leipzig 1906, S. 71]

G. Edward, das angebliche Pseudonym von Max Stirner

Interessant der Zufall, daß über diese falsche Annahme ein anderer Edward steht, nämlich Eduard Hlawacek, der als tatsächlicher G. Edward in Frage kommen könnte, denn er veröffentlichte unter diesem Pseudonym Gedichte. Schon 1842 erschienen in der Zeitung "Die Eisenbahn" Gedichte mit dem Namen G. Edward.

Weitere Zweifler an der Identität von Max Stirner und G. Edward meldeten sich zu Wort: so Pierre Gallissaire und André Sauge in der französischen Ausgabe der "Œuvres Complètes" 1972 und Bernd Kast durch eine inhaltliche
*Textanalyse* in seiner Dissertation "Die Thematik des Eigners in der Philosophie Max Stirners", 1979, S. 425-433.

Bernd A. Laska vertritt ebenfalls den Standpunkt von der Nichtidentität von Stirner und Edward; er führt dazu aus: "Mein Zweifel nährt sich zum einen aus inhaltlichen [Hervorhebung von mir; KWF] Diskrepanzen zwischen Artikel und authentischem Werk (die z.T. von Kast genannt sind), vor allem aber aus dem letzten Absatz, in dem 'Edward' auf das Buch 'Verstandesthum und Individuum' zu sprechen kommt. Der anoynme Autor dieses 1846 erschienenen Buches, der junge protestantische Theologe Karl Schmidt, hatte Stirner u.a. vorgworfen (p. 237): 'Der Einzige steht mit seinen Gegnern auf demselben Boden. Er ist so gut wie diese Idealist. Er schwelgt in seinem Ideale und träumt darum auch konsequent von einer Welt voll Egoisten, die da kommen soll.' Der Einwand zielt auf eine, besser: auf die grundsätzliche Ambiguität im Zentrum des Stirnerschen Denkens ... Stirner wäre als Autor der Replik wohl kaum so salopp über diesen Einwand hinweggegangen wie 'Edward'. Wahrscheinlicher ist, daß er, da er ihn nicht zu parieren wußte, nach 'Rezensenten Stirners' keine zweite Replik mehr geschrieben hat." [Max Stirner: Parerga, Kritiken, Repliken. *LSR-Verlag* Nürnberg 1986, S. 225/226]

In der Zeitschrift "Der Einzige", Heft 4, 2000, S. 44-48, erschien ein Artikel von Joán Ujházy mit dem Titel: *Max Stirner und G. Edward. Eine kleine Sensation?* Bei Recherchen in der Berliner Zeitungs-Halle aus dem Jahre 1847 wurden Reiseberichte eines G. Edward entdeckt, als jener von seinen Eindrücken in Algier berichtete, später über seine Erlebnisse in Sorrent, dabei auch ein Datum nennt: 16. Juni 1847. Etwa um diese Zeit sitzt, wenn man Mackays Angaben vertraut, Stirner in Berlin an der Übersetzung der "Nationalökonomen der Franzosen und Engländer" und beendet diese.

Ein Jahr davor veröffentliche Stirner in der Vossischen Zeitung eine Annonce, in der er bat, ihm "ein Darlehen von 600 T[haler]. ... auf 5 Jahre ... zu gewähren". Diese Annonce belegt Stirners finanzielle Sorgen, zumal etwa drei Monate vorher seine Frau sich von ihm trennte, nachdem beide (!) das restliche Vermögen, das Marie Dähnhardt mit in die Ehe brachte, verloren hatten.

Es kann daher nicht angenommen werden, daß er, nehmen wir an, er hätte diese 600 Taler erhalten, mit diesem Geld eine Reise antreten wollte, die erst ein Jahr später stattgefunden hat (siehe Edwards Aufenthalt in Sorrent).

Während also Stirner sich mehr schlecht als recht mit Gelegenheitsarbeiten durchs Leben schlug, reiste G. Edward nach Algier und später nach Italien. Allein diese Umstände sollten darauf hinweisen, daß beide Personen nicht identisch sein können.

Um weitere Zweifel aus dem Wege zu räumen, hat Prof. Dr. Peter Porsch eine *Analyse* folgender Texte vorgenommen: "Recensenten Stirners" und den Artikel von G. Edward "Die philosophischen Reaktionäre. Die modernen Sophisten von Kuno Fischer". Er kam bei seiner Analyse zu dem Ergebnis, daß die "wenigen ausgezählten sprachlichen Mittel ... eher auf zwei verschiedene Autoren schließen [lassen] als auf nur einen, da sich sowohl Sprachverwendungsgewohnheiten als auch Argumentationsweisen voneinander abheben."

Bei all diesen Argumenten muß man sich immer noch wundern, daß bis heute immer noch die Annahme besteht, Max Stirner und G. Edward seien ein und dieselbe Person. Jüngst nachlesbar in *Saul Newmans Buch*, in dem der Artikel "Die philosophischen Reaktionäre. Die modernen Sophisten von Kuno Fischer", von Widukind De Ridder ins Englische übertragen, "G. Edward [Max Stirner]" in dieser Konstellation genannt werden.

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Sein Leben

1806, 25. Oktober: Geburt in Bayreuth

Geburtsthaus von Max Stirner in Bayreuth

Geburtshaus links [Maximilianstraße 31], im Hintergrund die Stadtkirche "Heilige Dreifaltigkeit", rechts der Erker des damaligen Rathauses.

6. November: Taufe [in der Stadtkirche "Heilige Dreifaltigkeit"]

1807, 19. April: Tod des Vaters im Alter von 37 Jahren

1809, 13. April: Wiederverheiratung der Mutter mit dem Provisor Ballerstedt; sie geht mit ihm nach Kulm

19. Dezember: Geburt der Schwester Johanna Friederica

1810, Nach Kulm geholt

1812, 21. September: Tod der Schwester Johanna Friederica

1818, Nach Bayreuth zurückgeholt

1819, Eintritt in die Schule

1826, Herbst: Absolutorium; 8. September: Abgangszeugnis mit dem Prädikat "Sehr würdig"

Max Stirners Abiturzeugnis

Gymnasial=Absolutorium
für
Johann Caspar Schmidt aus Baireuth
Schüler der Ober=Classe des Gymnasiums
im Jahre 1825/26

Dem obengenannten Studirenden, welcher am Schluße des ge-
genwaertigen Studienjahres die gesetzlich angeordnete Absolutorial=
Prüfung bestanden, wird rücksichtlich der erprobten Kenntnisse
in den vorgeschriebenen Gymnasial=Studien und der über sein sitt-
liches Verhalten erworbenes Zeugniß
mit der Note der ersten Claße und dem Praedicate:
Sehr würdig
die Erlaubniß zum Uebergang
an eine höhere Lehranstalt
hierdurch ertheilt, und darüber dieses öffentliche Zeugniß
ausgestellt.
Baireuth den 8ten September 1826.
Koenigl. Gymnasial-Rectorat zu Baireuth.
D. G. A. Gabler*
K. [???] Gymnasialprofessor

* 1786-1853, Nachfolger Hegels auf dessen Lehrstuhl, 1835

18. Oktober: Immatrikulation in Berlin Rosenthalerstr. 47

1827, Dorotheenstraße 5

1828, 1. September: Exmatrikulation in Berlin; 20. Oktober: Immatrikulation in Erlangen

1829, Sommer: "Längere Reise durch Deutschland"; 2. November: Immatrikulation in Königsberg, Steindamm 132

1830, Ein Jahr in Kulm: "häuslicher Verhältnisse halber"

1831, Ein Jahr in Königsberg

1832, 28. November: Zweite Immatrikulation in Berlin, Poststraße 9; Längere Erkrankung

1833, Ostern: Neuer Markt 2 bei Burtz

1834, 27. März: Exmatrikulation in Berlin; 2. Juni: Meldung zum Examen pro facultate docendi; August: "Geisteskranke" Mutter plötzlich in Berlin; 29. November: Einreichung der schriftlichen Arbeiten

1835, 28. Januar: Aufnahme der Mutter in die Charité in Berlin; 24. und 25. April: Mündliche Prüfung; 29. April: Prüfungs-Zeugnis (bedingte facultas docendi); Pädagogisches Probejahr an der kgl. Realschule von Spilleke

1836, Freiwilliger halbjähriger Unterricht (bis Herbst) an der Realschule; Winter: Privatstudie

1837, 4. März: Bewerbung um Anstellung; 16. März: Ablehnender Bescheid; 19. Juli: Tod Ballerstedt's in Kulm; 17. Oktober: Mutter in der Privatanstalt Schönhauser Allee 9; 12. Dezember: Heirat mit Agnes Clara Kunigunde Burtz; Ehepaar: Klosterstraße 5-6

1838, 6. April: Oranienburger (Communal?) Straße 86; 29. August: Tod der Frau im Kindbett; 5. Oktober: Neue Friedrichstraße 79 (bei der Schwiegermutter)

1839, 1. Oktober: Eintritt in die Töchterschule der Madame Gropius

1842, Januar: Mitarbeiter an Gutzkow's "Telegraph"; Januar: Das "Gegenwort"; Korrespondent an der "Rheinischen Zeitung" und der "Leipziger Allgemeinen Zeitung"

1843, 4. Oktober: Neu Kölln am Wasser 23; 21. Oktober: Heirat mit Marie Wilhelmine Dähnhardt

1844, Mitarbeit an Buhl's Berliner Monatsschrift; 1. Oktober: Austritt aus der Schule der Madame Gropius; Ende Oktober: "Der Einzige und sein Eigenthum" erscheint. Das Buch wird sofort verboten.

Katalog über die in den Jahren 1844 und 1845 in Deutschland verbotenen Bücher

Quelle: Index librorum prohibitorum: Band 1, Katalog über die in den Jahren 1844 und 1845 in Deutschland verbotenen Bücher, Erste Hälfte, Friedrich Luden, Jena 1945, Seite 28

Ca. eine Woche später wird das Verbot, wenn auch nur in Sachsen, aufgehoben:

Allgemeine Presszeitung 8. November 1844, S. 360

Quelle: Allgemeine Presszeitung, Nr. 90, Freitag,8. November 1844, S. 360. – Die angekündigte Mitteilung der Entscheidungsgründe habe ich bisher nicht ausfindig machen können.

Allgemeine Presszeitung 8. November 1844, S. 360

Quelle: Neue Würzburger Zeitung, Nr. 316, Mittwoch, 13. November 1844, [S. 2]

Ein Kommentar zur Verbotsaufhebung in der Allgemeinen Zeitung
(Augsburg, No. 317, 12. Nov. 1844, S. 2533):

K. Sachsen.: Leipzig, 7. Nov. ... – Das Ministerium des Innern hat kürzlich das auf eine bei Otto Wigand erschienene Schrift von M. Stirner (wohl Pseudonym) „der Einzige und sein Eigenthum“, welche 491 S. hat und also censurfrei gedruckt war, von der Kreisdirection angeordnete Beschlagnahme wieder aufgehoben, und zwar aus Gründen, welche uns so ganz den höheren und höchsten Standpunkt zu bezeichnen scheinen welchen eine Regierung gegenüber den nach Gestaltung ringenden Tagesfragen einnehmen soll, daß dieselben für die heutige Behandlung solcher Preßangelegenheiten historische Bedeutsamkeit besitzen dürften. Das Ministerium bezweifelt nämlich zuvörderst an sich nicht daß bei dem hier zu Lande für solche Fälle gesetzlichen Verfahren sich rechtlicher Grund zur Confiscation wahrscheinlich herausstellen werde. Da jedoch der Umfang der Schrift, sowie Sprache und Ton bei dem Leserkreise in welchem sie Beachtung etwa finden dürfte, kaum nachtheilig einwirken möchte, sie vielmehr geeignet sey die von ihr sowohl aus der darin bestrittenen wie aus der selbst angewendeten Philosophie gezogenen Consequenzen und deren beklagenswerthe Resultate für das Leben im grellsten Lichte zu zeigen, die Möglichkeit der Einführung nur vorausgesetzt; da sie ferner sich großentheils wie Ironie und schlagende Selbstwiderlegung liest, und in den frechsten Stellen dadurch auf besonnene Leser eher einen warnenden und abweisenden Eindruck machen müsse, werde die religiös sittliche Ansicht vom Leben kaum wirksamer gefördert werden als durch den schneidenden Gegenstand eines Versuchs eine Ansicht des Lebens vom niedrigsten und beschränktesten Standpunkt des plattesten Egoismus zu gewinnen und durchzuführen. Die Schrift ist ein Berliner Product.

In anderen deutschen Ländern blieb Stirners Buch verboten, z.B. in Kurhessen, Mecklenburg-Schwerin, Preußen (s. o.: Index librorum prohibitorum) sowie:

Herzogtum Lauenburg / Schleswig-Holsteinisch-Lauenburg

Schleswig-holsteinisch-lauenburgische Kanzlei verbietet Max Stirners Buch

Mit "sie" ist die Schleswig-holsteinisch-lauenburgische Kanzlei gemeint.
Quelle: Allgemeine Preßzeitung, Nr. 22, Dienstag, 18. März 1845, S. 87.

Herzogthum Lauenburg verbietet Max Stirners Buch

Quelle: J. Richter (Hrsg.): Sammlung der Verordnungen, Ausschreiben und sonstigen Verfügungen, 1849, S. 393

 

Köln

In Köln ist Stirners Buch verboten!

Quelle: Franz Kaufmann: Leopold Kaufmann. Oberbürgermeister von Bonn (1821-1898). Ein Zeit- und Lebensbild, 1903, S. 58

1845, "Die Nationalökonomen der Franzosen und Engländer" begonnen; Sommer: Milchwirtschaft; Entgegnung an Feuerbach, Szeliga und Hess

1846, Anfang April: Trennung von Marie Dähnhardt; 4. April: Hirschelstraße 14; Sommer: Darlehensgesuch

Max Stirners Aufruf auf ein Darlehen

Quelle: Der Hausfreund, ein Augsburger Morgenblatt, Nro. 228, Freitag, 21. August 1846, S. 209/210.
Bemerkenswert ist die abschließende Bewertung: "Max Stirner ist ... einer der intelligentesten Köpfe Berlins."

1847, 3. April: Dessauerstraße 15; "Die Nationalökonomen der Franzosen und Engländer" beendet

1848, 4. April: Dresdenerstraße 96; Mitarbeiter am "Journal des österreichischen Lloyd"; Entgegnung an Kuno Fischer; 5. Oktober: Köthenerstraße 27

1851, 3. Oktober: Dessauerstraße 2

1852, Die "Geschichte der Reaction"

1853, 5.-26. März: im Schuldgefängnis; 1. April: Jägerstraße 72; 3. Juli: Stromstraße 8; 7. September: Philippstraße 19 bei Mme. Weiß

1854, 1. Januar - 4. Februar: abermals im Schuldgefängnis; 28. August bis 21. September: abwesend von Berlin; 12. September: Vertrag mit Mairsohn in Schwetz

1856, Mai: Erkrankung; 25. Juni: Tod

In diesem Haus starb Max Stirner.

Philippstraße 19; in diesem Haus starb Max Stirner.

Einige Zeitungen berichteten über Stirners Tod:

Stirners Tod

Quelle: Würzburger Anzeiger. Beiblatt zur Neuen Würzburger Zeitung, No. 182, Mittwoch, 2. Juli 1856, S. 2; Rubrik: Vermischtes

Stirners Tod

Quelle: Deutsches Museum. Zeitschrift für Literatur, Kunst und öffentliches Leben. Hrsg. v. Robert Prutz. Sechster Jahrgang 1856, Juli-December, S. 85. [Siehe unkorrekte Angabe seines wirklichen Namens: Max Schmidt]

28. Juni: Begräbnis

Grab von Max Stirner

(Quelle: John Henry Mackay: Max Stirner. Sein Leben und sein Werk [Komplette Biografie])

Siehe auch Stirner-Ausstellung.

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Curriculum vitae

Ego, Joannes Casparus Schmidt, evangelicae confessioni addictus, Baruthi, quod Borussiae olim oppidum nunc Bavariae attributum est, die XXV. mensis Octobris anni MDCCCVI natus, patreque tibiarum fabricatore paucis post me natum diebus defuncto sum usus. Mater Ballerstedtio pharmacopolae post tres annos nupta ubi per varios fortunae casus Culmam, quod est oppidum ad Vistulam in Borussia occidentali positum, delata est, me haud ita multo post, anno MDCCCX ad se arcessit. Inde primis literarum rudimentis instructus, anno actatis duodecimo exacto Baruthum sum reversus, Gymnasium illius oppidi florentissimum frequentaturus. A viris doctissimis ibi disciplina per septem fere annos institutus sum, e quibus pio ac grato animo Pauschium, Kiefferum, Neubigum, Kloeterum, Heldium, Gablerum nomino, qui et humanitate et consuetudinis conjunctione optime de me meruerunt. Quorum praeceptis via ad studia munita, annis MDCCCXXVI - MDCCCXXVIII in academia Berolinensi et philologiae et theologiae studiu, et Boeckhii, Hegelii, Marheinekii, Caroli Ritteri, Henrici Ritteri, Schleiermacheri lectionibus operam dedi. Postero anno in academia Erlangensi per semestre obivi Kappii et Wineri scholas; quibus auditis itineri me per Germaniam commissurus academia discessi annumque ferc totum in ea profectione consumsi. Domesticis deinde rebus coactus annum unum Culmae, alterum Regimonti negotiis familiaribus deditus transegi. Quo ego tempore, etsi studia in academia persequi non licuit, nequaquam tamen neglectis litteris ad doctrinas et philosophicas et philologicas studioso animo incubui. Anni MDCCCXXXIII mense Octobri ad studia me retuleram in academia Berolinensi renovanda, cum in morbum incidi, qui me ad audiendis lectionibus per semestre prohibuit. Salute refecta Boeckhii, Lachmanni, Micheleit interfui lectionibus. Itaque triennio absoluto nunc examen pro facultate docendi, quod dicunt, Deo juvante constitui subire.

Ich, Johann Kaspar Schmidt, evang. Konfession, bin geboren zu Baireuth, einer ehemals preussischen, jetzt bairischen Stadt, am 25. Oktober 1806. Mein Vater war Flötenmacher; er starb bald nach meiner Geburt. Meine Mutter heiratete 3 Jahre später den Apotheker Ballerstedt und gelangte mit diesem unter mancherlei wechselnden Schicksalen nach Kulm a. d. Weichsel in Westpreussen. Hierhin holte sie mich alsbald im Jahre 1810 zu sich. Nachdem ich dort den ersten Unterricht empfangen, kehrte ich mit 12 Jahren nach Baireuth zurück, um das Gymnasium zu besuchen. Sieben Jahre lang genoss ich hier den Unterricht gelehrter Männer, unter denen besonders Pausch, Kieffer, Neubig, Kloeter, Held und Gabler sich meiner mit grosser Liebe annahmen, so dass ich dankbar ihrer gedenke. Mit dem Reifezeugniss versehen, bezog ich in den Jahren 1826 bis 1828 die Universität Berlin zum Studium der Philologie und der Theologie und hörte Vorlesungen bei Böckh, Hegel, Marheineke, Carl Ritter, Heinrich Ritter und Schleiermacher. Alsdann begab ich mich für ein Semester nach Erlangen, wo ich Rapp und Winer hörte, verliess darnach die Universität, um eine längere Reise durch Deutschland zu machen. Häuslicher Verhältnisse halber verblieb ich nun ein Jahr in Kulm, ein zweites in Königsberg ebenfalls in Familien-Angelegenheiten. Jedoch vernachlässigte ich währenddessen keineswegs meine philologischen und philosophischen Studien. Im Oktober 1833 endlich kehrte ich zur Wiederaufnahme meiner akademischen Studien nach Berlin zurück, verfiel aber sogleich in länger dauernde Krankheit, so dass ich erst vom nächstfolgenden Semester an Vorlesungen und zwar bei Böckh, Lachmann und Michelet hören konnte. Auf diese Weise vollendete ich das akademische Triennium und gedenke mich nunmehr dem Examen pro facultate docendi zu unterwerfen. [Sommer 1834]

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Briefe/Facsimiles

Lieber Arthur,
Ich komme zufällig zu Großkreuz und finde ihn entsetzlich
krank, so daß er keinen Augenblick länger eine ärztliche Behand-
lung und Pflege entbehren kann. Er wünscht mit Dir über seinen
Zustand zu sprechen; komme, sobald Du nur irgend kannst, wo möglich
gleich nach Empfang dieses Briefes.

Berlin den 24ten Mai
abends 7 Uhr Dein Stirner

Herrn Dr. Arthur Mueller
Prenzlauerstrasse
frei 28.

Max Stirner schreibt an Dr. Arthur Mueller

An
Herrn Dr. Rutenberg
zu Cöln.

Vorderseite des Stirner-Briefes an Adolf Rutenberg

Max Stirner schreibt an Adolf Rutenberg

Lieber Freund!
Ich habe im Augenblick keinen Adresskalender
zur Hand, um für die erste Notiz die Titel
hinzuzusetzen zu Thiele, Bodelschwingh etc.
Thu doch das vor dem Druck.
Ich glaubte, dass es Euch lieb sein
müsste, diese Notiz möglichst bald
zu erhalten; darum erhältst du
diese kurze Correspondenz. Ist
Euch das Recht, dass man Euch Corres-
pondenzen zuschickt, von so kurzem (1) oder noch
kürzerem Umfang zuschickt(2), wenn Neues
passirt? Schreib' mir das; sodann aber
erinnere dich nochmals, mir wegen
meiner Collision mit Buhl in den Corres-
pondenzen deine Ansicht zu schreiben.
1/3 42. Dein Schmidt.

Die Geheime Polizei ist constituirt. Der Assessor
Streber Haupt. Unter der von mir gewählten
Form geht die Anzeige vielleicht durch.

(1) Dieses Wort von Stirner nachträglich eingefügt.
(2) Dieses Wort im Original gestrichen.

Max Stirner schreibt an Joseph Abraham Stargardt

Lieber Herr Stargardt,

Sie verlangten von mir zu wiederholten Malen
einen [?] „Einzigen“. Heute kann ich Ihnen bei-
kommenden offeriren und zwar zu dem
von Ihnen gebotenen Preise von 1 Thlr. 15 Sgr. [Silbergroschen]
Der Ladenpreis ist ungebunden 2 Thlr. 15 Sgr.
21/II 50 ergebenst
Stirner

* * *

Uns liegt noch ein Text vor, der möglicherweise von Günther Mecklenburg (1898-1984) stammt:

"Ein unbekannter Brief MAX STIRNERS, des Verfassers von 'Der Einzige und sein Eigentums'
Der Aufmerksamkeit meines Kollegen Herrn G. Salomon, verdanke ich es, daß in diesen Tagen ein Brief Max Stirners seinen Weg zu mir fand, – seinen Rückweg, denn bereits vor 80 Jahren war er im Besitz meiner Firma: er ist an meinen Vorgänger J. A. Stargardt gerichtet!
Die außerordentliche Seltenheit von Stirner-Autographen ist bekannt. John Henry Mackay bildet in seiner Biographie den „einzigen (Brief), der bisher aufgefunden werden konnte, zudem das einzige, in privaten Händen befindliche Schriftstück aus der Feder Stirners“ ab.
Der jetzt aufgetauchte Brief an Stargardt ist also der zweite, überhaupt bekanntgewordene und der einzige datierte Brief Stirners. Ich freue mich, ihn meinen Kunden wenigstens im Faksimile zugänglich machen zu können.

Das Autograph ist datiert vom 21. Februar 1850, es trägt den Empfangsvermerk Stargardts auf der Adreßseite und außerdem, vorn links unten, die von vielen Autographen her bekannte Zuschreibung von der Hand Künzels[1], – ein Beweis für die interessante Tatsache, daß das Stück bereits vor ca. 75 Jahren im Autographenhandel war und Handelswert besaß."

[1] Sammlung Künzel – Carl Künzel (1808-1877), deutscher Autographensammler

Max Stirner schreibt an David Kalisch

Lieber Kalisch!

Fürchten Sie nichts! Ich verlange nicht etwas,
woran Ihr Herz hängt, sondern etwas, was
von Herzen kommt. Sie sollen mir ein Paar
Ihrer Lieder zukommen lassen, die ich in eine
Gedichtsammlung aufnehmen will. Da Sie - Sie mö-
gens glauben oder nicht - wirklich ein Poet sind, so
habe ich bei Herausgabe einer Anthologie ein Recht
auf Sie, und ich hoffe, Sie werden dieses Recht
respectiren.

Jägerstr. 72. 3 Treppen Ihr Stirner
28./5. 53

Max Stirner schreibt an Sanitätsrat Nagel

Herr Sanitätsrath Nagel hatte
die Güte, unter heutigem Dato meinen
Gesundheitszustand zu prüfen, was ich
hiermit bescheinige.
Berlin, den 19ten October 1854. Johann Kasp. Schmidt.

Wahres und Fiktives!

Es handelt sich hier um eine Zusammentragung von Meinungen diverser Zeitgenossen, wo sich Wahres mit wohl manch Fiktivem mischt. Diese Darstellung zeigt aber dennoch eine interessante Sicht auf diese immer noch nicht vollständig bekannte Person Max Stirner. Was Mackay einst bot, ist vergleichbar mit einem Gerippe. Was fehlt resp. sehr wenig vorhanden, ist das Fleisch, aus dem Ganzen werdend eine für uns sichtbare Person.

Zur Übersicht!

Diese Unterschrift ist dem Anmeldebogen der Vorlesungenentnommen, die er an der Universität Berlin 1826 und die folgenden Jahre hörte.

Facsimile

Diese Unterschrift steht unter seiner Meldung zum Examen von 1834.

Facsimile

Die nächsten drei Unterschriften sind aus dem Zeugnißbuch einer seiner Schülerinnen an der Gropiusschen Töchterschule vom Jahre 1842 und den folgenden. Die Unterschriften stammen somit aus Stirners zwanzigstem, seinem achtundzwanzigstem und seinem sechsunddreißigsten Lebensjahr, also aus acht zu acht Jahren.

Facsimile

Diese Unterschrift gilt als eine aus der letzten Zeit seines Lebens: Johann Kaspar Schmidt

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Dokumente

Aus der Personalakte Max Stirners
<unleserl. Schriftzeichen>4/6 34 441
<unleserl. Wort>

Euerer Königl. Hochverordneten Prüfungs-Kommission
7/6 h <1 Wort unleserl.>
<2 oder 3 Zeichen unleserl.>
<1 Zeile unleserlich>
Bringe ich die gehorsamste Bitte vor:
mich zum höheren Schulamts-Examen zulassen zu wollen, und übersende anliegend die erforderlichen Zeugnisse nebst den Abschriften, als:
1.) das Gymnasial-Absolutorium
2.) das erste Abgangs-Zeugniß der Universität zu Berlin
3.) das Abgangs-Zeugniß der Universität zu Erlangen.
<unleserl. Vermerk>
<Fortsetzung auf Rückseite>
4.) Zwei Atteste über daselbst gehörte Vorlesungen
5.) das zweite Abgangszeugniß der Universität zu Berlin
6.) den Militair-Entlassungsschein mit dem ergebensten Antrage, mir die Aufgaben zu den schriftlichen Probearbeiten hochgeneigtest ertheilen zu wollen.
Euerer Königl. Hochverordneten Prüfungs-Kommission
ganz gehorsamster
Johann Kaspar Schmidt
Wohnung: Neuer Markt Nro 2
/2 Treppen/

<Vorderseite, links Antwort>
Revers <?>:
An den Schulamtskandidaten Hrn. J. C. Schmidt
hier
Neuer Markt No. 2, zwey Treppen
Auf Ihre Vorstellung vom 2ten d. M. werden Sie hierdurch aufgefordert, zuvörderst <2 Wörter unleserl.>
Gemäßheit des § 6 No. 4 des Prüfungs-Reglements vom 20ten April 1831 ein vollständiges curriculum vitae einzusenden, und zugleich anzugeben, für welche Klassen Sie geprüft zu werden wünschen.
Die eingereichten Original Zeugnisse erfolgen hiebey zurück.
Berlin am <unleserl.> Junii 1834
<1 Zeile unleserl.>
Lange <?>

Abschrift
Dem Cantonisten Student Johann Caspar Schmidt den 25. October 1806 zu Baireuth geboren, wurde im Herbst v. J. <vorigen Jahres> wegen Hämorrhoidal-Beschwerden, welche durch Hämmorhoidal-Knoten bestätigt werden, von der Königl. Departements-Ersatz-Commission ein Entlassungsschein als Halb-Invaliden ertheilt, welches auf Verlangen bescheinigt
Königsberg, d. 4. <?> Juli 1831
Der Major und Commandeur des Königsberger Landwehr Bataillons als Präses <?> der Kreis Ersatz-Commission des Königsberger Stadt-Kreises
(L. S.) <Unterschr. unleserl.>

<unleserl. Schriftzeichen > 14/6 34 450
<unleserl. Wort>

<Stirners Schreiben:>
Eurer Königl. Hochverordneten wissenschaftlichen Prüfungs-Kommission übersende ich beiliegend das außer den bereits am 2. Juni h. eingesandten Zeugnissen noch erforderliche Curriculum vitae, und verbinde damit die ergebenste Bitte, in den alten sowie <?> in der deutschen Sprache, der Geschichte, der Philosophie und Religion für die oberen Klassen, in den übrigen Gegenständen aber für die unteren mich hochgeneigtest zum Examen zulassen zu wollen.
Eurer Königl. Hochverordneten wissenschaftlichen Prüfungs-Kommission
Berlin den 13ten Juni 1834. gehorsamster
J. Kaspar Schmidt
Wohnung Neuer Markt Nro 2
/2 Treppen/
<von fremder Hand:> Schmidt S_88/abg <?> – 21/6
nr. <?> 441

<Links auf gleicher Seite:>
<unleserl. Schriftzeichen>
1/7 abg
R.
An den Schulamtskandidaten Hrn J. C. Schmidt
hier
am Neuen Markt No 2, 2 Treppen
Auf Ihre Eingabe vom 13ten v. M. <1 unleserl. Schriftzeichen>
I. Schriftliche Arbeiten
1. Lateinische Uebersetzung nebst grammatischem und
exegetischem Commentar über Thucyd. VII, 78-87.
2. Ueber Schulgesetze.
II. Probelectionen
1. Horat. Epist. I, 14.
2. Ueber Huß und die Hußiten.
Die schriftlichen Arbeiten haben Sie binnen 6-8
Wochen <1 unleserl. Schriftzeichen>
Berlin am 1sten Julii 1834
Kgl. Wissenschaftl. Prüfungs Commission
<Unterschr. unleserl.>

<unleserl. Schriftzeichen> 30/8 34. 487

Eure Königl. Hochverordnete wißenschaftliche Prüfungs-Kommission
Sehe ich mich gezwungen, ergebenst zu bitten, den Termin der Ablieferung meiner Prüfungsarbeiten, der mit dem Anfange des folgenden Monats zu Ende geht, um einen Monat hochgeneigtest zu verlängern, weil die unerwartete Ankunft meiner geisteskranken Mutter für jetzt meine Zeit so ausschließlich in Anspruch nimmt und noch länger nehmen wird, daß mir vorläufig nicht vergönnt ist, an die Beendigung meiner Prüfungsarbeiten zu denken.
<Rückseite>
Indem ich in hochgeneigter Berücksichtigung dieses betrübenden Ereignisses die Gewährung meines ergebensten Gesuches zu erhalten hoffe, verharre ich in ehrfurchtsvollem Gehorsam
Eurer Königl. Hochverordneten wißenschaftlichen Prüfungs-Kommission
ergebenster
Joh. Kasp. Schmidt, Candid. phil.
Wohnung: Neuer Markt Nro. 2
2 Treppen h.
Berlin den 27ten August 1834

<Antwort auf Vorderseite:>
1/9 h. a.
Antwort: <1 Wort unleserl.>
v. 1/9 abends
Auf Ihr Gesuch vom 27. d. M. wird die Frist zur Ablieferung Ihrer schriftlichen Prüfungs-Arbeiten hierdurch um 4-6 Wochen verlängert.
Berlin den 30ten August 1834
Kgl. w. Prüfungs-Commission
Lange <?> 

<unleserl. Schriftzeichen> 29/11 34 540

3 Hefte
Ew. Hochwohlgeboren
übersende ich beiliegend meine von Eurer Hochverordneten Wissenschaftlichen Prüfungs-Commission mir
<Rückseite>
übertragenen schriftlichen Arbeiten und erlaube mir die gehorsamste Bitte hinzuzufügen, da Kränklichkeit sowohl zum Theil diese Arbeiten verzögerte, als auch jetzt mich verhindert, dieselben persönlich zu überbringen, und mich vielleicht auch für längere Zeit schwächen wird, den Termin für die Probelektionen und das mündliche Examen, wenn es möglich ist, hochgeneigtest bis nach Neujahr verschieben zu wollen.
Einer hochgeneigten Entscheidung entgegensehend zeichne <?> ich mich mit aller Hochachtung
Ew. Hochwohlgeboren
gehorsamster
Joh. Kasp. Schmidt
wohnhaft Neuer Markt Nro. 2
2 Treppen
Berlin den 29ten November 1834

<Antwort auf Vorderseite>
D.
Da die Arbeiten bereits ## haben und der Schmidt zum 1sten May c. zur mündlichen Prüfung beschieden worden ist, so geht dieses ## zu den Akten und ist mit denselben zum 25sten April c. wieder vorzulegen.
Lange
26/3 35

Abschrift
(L. S.)
E. N. 209
Gymnasial-Absolutorium
für
Johann Caspar Schmidt
aus Baireuth
Schüler der Ober=Classe des Gymnasiums
im Jahre 1825/6
Dem obengenannten Studirenden, welcher am Schlusse des gegenwaertigen Studienjahres die gesetzlich angeordnete Absolutorial-Prüfung bestanden, wird rücksichrtlich der erprobten Kenntnisse in den vorgeschriebenen Gymnasial-Studien und der über sein sittliches Verhalten erworbenen Zeugnisse mit der Note der ersten Classe und dem Praedicate:
------------- Sehr würdig --------------
die Erlaubniss zum Uebergang an eine höhere Lehranstalt hierdurch ertheilt, und darüber dieses öffentliche Zeugniss ausgestellt.
Baireuth den 8 ten September 1826.
Koenigl. Gymnasial=Rectorat zu Baireuth
(L. S.) D. G. A. Gabler
k. Studien-Rector u. Lyzeal<?>professor

<Rückseite>
Abschrift 
Nro.
Academisches
Semestral-Zeugniß
Der Studiosus Theol.
Herr Joh. Casp. Schmidt
aus Baireuth
hat im Winterhalbjahre 1828/29 auf der Königl. Universität zu Erlangen meine Vorlesungen über Logik und Metaphysik mit ausgezeichnetstem Fleiße besucht.
Erlangen den 20 Jan. 1829
Ch. Rapp Dr u. Profess. der Philosophie 

Abschrift
Nro.
Academisches
Semestral-Zeugniß
Der Studiosus Theol.
Herr Joh. Casp. Schmidt
aus Baireuth
hat im Winterhalbjahre 1828/29 auf der Königl. Universität zu Erlangen meine Vorlesungen über die Briefe an die Korinther
mit vorzüglichem Fleiße besucht.
Erlangen den 11ten April 1829
Dr. Winer

<Rückseite>
Abschrift
E: Nr. 1163
Sitten-Zeugniß
Wir Prorector und Senat
der
Königl: Bayer: Friedrich Alexanders Universitaet Erlangen
bezeugen hiemit, daß der
Herr Johann Caspar Schmidt aus Bayreuth
auf dem Grund eines beigebrachten Sittenzeugnisses
<Schnörkel>
de dato Berlin den 1. September 1828.
unterm 20. Oktober dess. Jahres als Studiosus theologiae ______ auf hiesiger Universität immatriculirt worden sei, sich von dieser Zeit an bis zu Ende des Sommersemesters 1829 hier dem Studium gewidmet und während seines hiesigen academischen Aufenthalts sich vollkommen wohlgesittet und gesetzmäßig betragen habe.
Urkundlich unter Vor<?>drückung des Universitätssiegels und der ### Unterschrift ausgefertigt.
Erlangen am 2. November 1829.
D. Winer
derzeitiger Prorector
(L. S.)
Daß Hr. Schmidt wegen Antheilnahme an verbotenen Verbindungen in keine Untersuchung gezogen wurde, beurkundet
D. <2 Buchstaben unleserl.>
Direktorium der Kreis- und Stadtpolizey Papettier <?>
<Name unleserl.> Stadtkommissar <?> Universitaets-Secretaire
(L. S.)
### 15 ½ ###

<Rückseite>
Abschrift
Wir Rector und Senat der Königlich Preußischen Universität zu Berlin bekunden durch dieses Abgangszeugniß, daß Herr Johann Caspar Schmidt, geboren zu Bayreuth, Sohn des daselbst verstorbenen Instrumentenmachers Schmidt, bevormundet in der Person seines Stiefvaters des Privatmanns Ballerstedt zu Culm in Westpreußen, zu den academischen Studien auf dem Gymnasium zu Baireuth vorbereitet, auf dem Grund genügender Zeugnisse am 18ten October 1826 bei uns immatrikulirt worden ist, sich seit dem bis zum Schluß des Sommersemesters 1828 als Studirender hier aufgehalten, und sich ------ der philosophischen Wissenschaften ------
beflißen hat.
Während dieses Aufenthaltes hat derselbe bei unserer Universität nach den vorgelegten Zeugnißen die nachstehend verzeichneten Vorlesungen gehört:

<Nächste Seite>
I. Im Wintersemester 1826/27
1. Logik __________ bei dem H. Prof. H. Ritter fleißig
2. Allgemeine Geographie __________ C. Ritter desgl.
3. Pindar <und>
4. Metrik ________________________ Boeckh sehr fleißig
II. Im Sommersemester 1827
1. Ethik ___________________ bei dem H. Prof. Dr. Schleiermacher fleißig
2. Religionsphilosophie ________________________ Hegel fleißig
III. Im Wintersemester 1827/28
1. Griechische Alterthümer ____ bei dem H. Professor Boeckh sehr fleißig
2. Geschichte der Philosophie <und>
3. Psychologie und Anthropologie
oder Philosophie des Geistes _____________________ Hegel fleißig
4. Dogmatik <und>
5. Bedeutung der neuren Philosophie
in der Theologie _______________________________ Dr. Marheinecke mit Fleiß und Aufmerksamkeit
6. Geographie des alten Griechenlands und Italiens _______C. Ritter
IV. Im Sommersemester 1828
1. Theologische Encyclopädie <und>
2. Symbolik bei dem H. Prof. Dr. Marheinecke mit Fleiß und Aufmerksamkeit
3. Kirchengeschichte <und>
4. Christliche Alterthümer Dr. Neander

<Rückseite>
Hinsichtlich seines Verhaltens auf hiesiger Universität ist in sittlicher und in ökonomischer Hinsicht nichts Nachtheiliges bekannt geworden, er war fleißig.
Einer Theilnahme an verbotener Verbindung unter Studierenden ist derselbe hier nicht verdächtig geworden.
Zu Urkund dessen ist dieses Zeugnis unter dem Insiegel der Universität ausgefertigt, und von dem ### Rektor, und von dem Richter, auch von dem gegenwärtigen Dekan der philosophischen Fakultät eigenhändig unterzeichnet worden.
Berlin den 13. <?> September 1828
Bethmann Hollweg Krause Weiss
ord. phil. <2 Buchst. unleserl.> Dec.
(L. S.)
Gesehen durch den Regierungs-Bevollmächtigten
Vermöge Auftrages
Lichtenstein Krause

Abschrift
Die Prüfung ist nach dem ####
der K. Pr. C. vom ## ### 35
Nr. C. 1365 <?> genehmigt.
###########
Wir Rector und Senat der Königlichen Friedrich Wilhelms Universität zu Berlin bekunden durch dieses Abgangszeugniß, daß Herr Johann Kaspar Schmidt, geboren zu Baireuth, Sohn des daselbst verstorbenen Instrumentenmachers Schmidt, bereits großjährig, zu den akademischen Studien auf dem Gymnasium zu Baireuth vorbereitet, auf dem Grund genügender Zeugnisse zum ersten mal am 18ten October 1826 und auf dem Grund des Abgangs-Zeugnisses der Universität zu Erlangen zum zweiten mal am 28 ten November 1832 bei uns immatrikulirt worden ist, sich seit dem bis zum Schluß des Sommersemesters 1833/34 als Studirender hier aufgehalten, und sich der philosophischen Wissenschaften beflißen hat.
Während dieses Aufenthaltes hat derselbe bei unserer Universität nach den vorgelegten Zeugnißen die nachstehend verzeichneten Vorlesungen gehört:
I. Im Wintersemester 1832/33
wegen Krankheit keine
II. Im Sommersemester
1. Plato's Republik, bei dem H. Prof. Boeckh sehr fleißig

<Rückseite>
2. Properz, bei dem H. Professor Lachmann, fleißig
3. Aristoteles Leben, Schriften und Philosophie bei dem H. Prof: Michelet mit vielem Fleiße
III. Im Winter-Semester 1833/34
keine
Hinsichtlich seines Verhaltens auf hiesiger Universität ist in disciplinarischer und ökonomischer Rücksicht nichts Nachtheiliges vorgekommen.
Einer Theilnahme an verbotener Verbindung unter Studierenden ist derselbe bei der hiesigen Universität bisher nicht bezüchtigt geworden.
Zu Urkund dessen ist dieses Zeugnis unter dem Insiegel der Universität ausgefertigt, und von dem zeitigen <?> Rektor, und von dem Richter, auch von dem gegenwärtigen Dekan der philosophischen Fakultät eigenhändig unterzeichnet worden.
Berlin den 27. Maerz 1832
Straub <?> Krause # # Hagen <?>
(L. S.)
Gesehen durch den Regierungs-Bevollmächtigten
Vermöge Auftrages
Straub <?> Krause

<Vorderseite, links Antwort>
Revers <?>:
An den Schulamtskandidaten Hrn. J. C. Schmidt
hier
Neuer Markt No. 2, zwey Treppen
Auf Ihre Vorstellung vom 2ten d. M. werden Sie hierdurch aufgefordert, zuvörderst <2 Wörter unleserl.>
Gemäßheit des § 6 No. 4 des Prüfungs-Reglements vom 20ten April 1831 ein vollständiges curriculum vitae einzusenden, und zugleich anzugeben, für welche Klassen Sie geprüft zu werden wünschen.
Die eingereichten Original Zeugnisse erfolgen hiebey zurück.
Berlin am <unleserl.> Junii 1834
<1 Zeile unleserl.>
Lange <?>

Abschrift
Dem Cantonisten Student Johann Caspar Schmidt den 25. October 1806 zu Baireuth geboren, wurde im Herbst v. J. <vorigen Jahres> wegen Hämorrhoidal-Beschwerden, welche durch Hämmorhoidal-Knoten bestätigt werden, von der Königl. Departements-Ersatz-Commission ein Entlassungsschein als Halb-Invaliden ertheilt, welches auf Verlangen bescheinigt
Königsberg, d. 4. <?> Juli 1831
Der Major und Commandeur des Königsberger Landwehr Bataillons als Präses <?> der Kreis Ersatz-Commission des Königsberger Stadt-Kreises
(L. S.) <Unterschr. unleserl.>

<unleserl. Schriftzeichen > 14/6 34 450
<unleserl. Wort>

<Stirners Schreiben:>
Eurer Königl. Hochverordneten wissenschaftlichen Prüfungs-Kommission übersende ich beiliegend das außer den bereits am 2. Juni h. eingesandten Zeugnissen noch erforderliche Curriculum vitae, und verbinde damit die ergebenste Bitte, in den alten sowie <?> in der deutschen Sprache, der Geschichte, der Philosophie und Religion für die oberen Klassen, in den übrigen Gegenständen aber für die unteren mich hochgeneigtest zum Examen zulassen zu wollen.
Eurer Königl. Hochverordneten wissenschaftlichen Prüfungs-Kommission
Berlin den 13ten Juni 1834. gehorsamster
J. Kaspar Schmidt
Wohnung Neuer Markt Nro 2
/2 Treppen/
<von fremder Hand:> Schmidt S_88/abg <?> – 21/6
nr. <?> 441

<Links auf gleicher Seite:>
<unleserl. Schriftzeichen>
1/7 abg
R.
An den Schulamtskandidaten Hrn J. C. Schmidt
hier
am Neuen Markt No 2, 2 Treppen
Auf Ihre Eingabe vom 13ten v. M. <1 unleserl. Schriftzeichen>
I. Schriftliche Arbeiten
1. Lateinische Uebersetzung nebst grammatischem und
exegetischem Commentar über Thucyd. VII, 78-87.
2. Ueber Schulgesetze.
II. Probelectionen
1. Horat. Epist. I, 14.
2. Ueber Huß und die Hußiten.
Die schriftlichen Arbeiten haben Sie binnen 6-8
Wochen <1 unleserl. Schriftzeichen>
Berlin am 1sten Julii 1834
Kgl. Wissenschaftl. Prüfungs Commission
<Unterschr. unleserl.>

<unleserl. Schriftzeichen> 30/8 34. 487

Eure Königl. Hochverordnete wißenschaftliche Prüfungs-Kommission
Sehe ich mich gezwungen, ergebenst zu bitten, den Termin der Ablieferung meiner Prüfungsarbeiten, der mit dem Anfange des folgenden Monats zu Ende geht, um einen Monat hochgeneigtest zu verlängern, weil die unerwartete Ankunft meiner geisteskranken Mutter für jetzt meine Zeit so ausschließlich in Anspruch nimmt und noch länger nehmen wird, daß mir vorläufig nicht vergönnt ist, an die Beendigung meiner Prüfungsarbeiten zu denken.
<Rückseite>
Indem ich in hochgeneigter Berücksichtigung dieses betrübenden Ereignisses die Gewährung meines ergebensten Gesuches zu erhalten hoffe, verharre ich in ehrfurchtsvollem Gehorsam
Eurer Königl. Hochverordneten wißenschaftlichen Prüfungs-Kommission
ergebenster
Joh. Kasp. Schmidt, Candid. phil.
Wohnung: Neuer Markt Nro. 2
2 Treppen h.
Berlin den 27ten August 1834

<Antwort auf Vorderseite:>
1/9 h. a.
Antwort: <1 Wort unleserl.>
v. 1/9 abends
Auf Ihr Gesuch vom 27. d. M. wird die Frist zur Ablieferung Ihrer schriftlichen Prüfungs-Arbeiten hierdurch um 4-6 Wochen verlängert.
Berlin den 30ten August 1834
Kgl. w. Prüfungs-Commission
Lange <?> 

<unleserl. Schriftzeichen> 29/11 34 540

3 Hefte
Ew. Hochwohlgeboren
übersende ich beiliegend meine von Eurer Hochverordneten Wissenschaftlichen Prüfungs-Commission mir
<Rückseite>
übertragenen schriftlichen Arbeiten und erlaube mir die gehorsamste Bitte hinzuzufügen, da Kränklichkeit sowohl zum Theil diese Arbeiten verzögerte, als auch jetzt mich verhindert, dieselben persönlich zu überbringen, und mich vielleicht auch für längere Zeit schwächen wird, den Termin für die Probelektionen und das mündliche Examen, wenn es möglich ist, hochgeneigtest bis nach Neujahr verschieben zu wollen.
Einer hochgeneigten Entscheidung entgegensehend zeichne <?> ich mich mit aller Hochachtung
Ew. Hochwohlgeboren
gehorsamster
Joh. Kasp. Schmidt
wohnhaft Neuer Markt Nro. 2
2 Treppen
Berlin den 29ten November 1834

<Antwort auf Vorderseite>
D.
Da die Arbeiten bereits ## haben und der Schmidt zum 1sten May c. zur mündlichen Prüfung beschieden worden ist, so geht dieses ## zu den Akten und ist mit denselben zum 25sten April c. wieder vorzulegen.
Lange
26/3 35

Abschrift
(L. S.)
E. N. 209
Gymnasial-Absolutorium
für
Johann Caspar Schmidt
aus Baireuth
Schüler der Ober=Classe des Gymnasiums
im Jahre 1825/6
Dem obengenannten Studirenden, welcher am Schlusse des gegenwaertigen Studienjahres die gesetzlich angeordnete Absolutorial-Prüfung bestanden, wird rücksichrtlich der erprobten Kenntnisse in den vorgeschriebenen Gymnasial-Studien und der über sein sittliches Verhalten erworbenen Zeugnisse mit der Note der ersten Classe und dem Praedicate:
------------- Sehr würdig --------------
die Erlaubniss zum Uebergang an eine höhere Lehranstalt hierdurch ertheilt, und darüber dieses öffentliche Zeugniss ausgestellt.
Baireuth den 8 ten September 1826.
Koenigl. Gymnasial=Rectorat zu Baireuth
(L. S.) D. G. A. Gabler
k. Studien-Rector u. Lyzeal<?>professor

<Rückseite>

Abschrift 
Nro.
Academisches
Semestral-Zeugniß
Der Studiosus Theol.
Herr Joh. Casp. Schmidt
aus Baireuth
hat im Winterhalbjahre 1828/29 auf der Königl. Universität zu Erlangen meine Vorlesungen über Logik und Metaphysik mit ausgezeichnetstem Fleiße besucht.
Erlangen den 20 Jan. 1829
Ch. Rapp Dr u. Profess. der Philosophie 

Abschrift
Nro.
Academisches
Semestral-Zeugniß
Der Studiosus Theol.
Herr Joh. Casp. Schmidt
aus Baireuth
hat im Winterhalbjahre 1828/29 auf der Königl. Universität zu Erlangen meine Vorlesungen über die Briefe an die Korinther
mit vorzüglichem Fleiße besucht.
Erlangen den 11ten April 1829
Dr. Winer

<Rückseite>
Abschrift
E: Nr. 1163
Sitten-Zeugniß
Wir Prorector und Senat
der
Königl: Bayer: Friedrich Alexanders Universitaet Erlangen
bezeugen hiemit, daß der
Herr Johann Caspar Schmidt aus Bayreuth
auf dem Grund eines beigebrachten Sittenzeugnisses
<Schnörkel>
de dato Berlin den 1. September 1828.
unterm 20. Oktober dess. Jahres als Studiosus theologiae ______ auf hiesiger Universität immatriculirt worden sei, sich von dieser Zeit an bis zu Ende des Sommersemesters 1829 hier dem Studium gewidmet und während seines hiesigen academischen Aufenthalts sich vollkommen wohlgesittet und gesetzmäßig betragen habe.
Urkundlich unter Vor<?>drückung des Universitätssiegels und der ### Unterschrift ausgefertigt.
Erlangen am 2. November 1829.
D. Winer
derzeitiger Prorector
(L. S.)

Daß Hr. Schmidt wegen Antheilnahme an verbotenen Verbindungen in keine Untersuchung gezogen wurde, beurkundet
D. <2 Buchstaben unleserl.>
Direktorium der Kreis- und Stadtpolizey Papettier <?>
<Name unleserl.> Stadtkommissar <?> Universitaets-Secretaire
(L. S.)
### 15 ½ ###

<Rückseite>
Abschrift
Wir Rector und Senat der Königlich Preußischen Universität zu Berlin bekunden durch dieses Abgangszeugniß, daß Herr Johann Caspar Schmidt, geboren zu Bayreuth, Sohn des daselbst verstorbenen Instrumentenmachers Schmidt, bevormundet in der Person seines Stiefvaters des Privatmanns Ballerstedt zu Culm in Westpreußen, zu den academischen Studien auf dem Gymnasium zu Baireuth vorbereitet, auf dem Grund genügender Zeugnisse am 18ten October 1826 bei uns immatrikulirt worden ist, sich seit dem bis zum Schluß des Sommersemesters 1828 als Studirender hier aufgehalten, und sich ------ der philosophischen Wissenschaften ------
beflißen hat.
Während dieses Aufenthaltes hat derselbe bei unserer Universität nach den vorgelegten Zeugnißen die nachstehend verzeichneten Vorlesungen gehört:

<Nächste Seite>
I. Im Wintersemester 1826/27
1. Logik __________ bei dem H. Prof. H. Ritter fleißig
2. Allgemeine Geographie __________ C. Ritter desgl.
3. Pindar <und>
4. Metrik ________________________ Boeckh sehr fleißig
II. Im Sommersemester 1827
1. Ethik ___________________ bei dem H. Prof. Dr. Schleiermacher fleißig
2. Religionsphilosophie ________________________ Hegel fleißig
III. Im Wintersemester 1827/28
1. Griechische Alterthümer ____ bei dem H. Professor Boeckh sehr fleißig
2. Geschichte der Philosophie <und>
3. Psychologie und Anthropologie
oder Philosophie des Geistes _____________________ Hegel fleißig
4. Dogmatik <und>
5. Bedeutung der neuren Philosophie
in der Theologie _______________________________ Dr. Marheinecke mit Fleiß und Aufmerksamkeit
6. Geographie des alten Griechenlands und Italiens _______C. Ritter
IV. Im Sommersemester 1828
1. Theologische Encyclopädie <und>
2. Symbolik bei dem H. Prof. Dr. Marheinecke mit Fleiß und Aufmerksamkeit
3. Kirchengeschichte <und>
4. Christliche Alterthümer Dr. Neander

<Rückseite>
Hinsichtlich seines Verhaltens auf hiesiger Universität ist in sittlicher und in ökonomischer Hinsicht nichts Nachtheiliges bekannt geworden, er war fleißig.
Einer Theilnahme an verbotener Verbindung unter Studierenden ist derselbe hier nicht verdächtig geworden.
Zu Urkund dessen ist dieses Zeugnis unter dem Insiegel der Universität ausgefertigt, und von dem ### Rektor, und von dem Richter, auch von dem gegenwärtigen Dekan der philosophischen Fakultät eigenhändig unterzeichnet worden.
Berlin den 13. <?> September 1828
Bethmann Hollweg Krause Weiss
ord. phil. <2 Buchst. unleserl.> Dec.
(L. S.)
Gesehen durch den Regierungs-Bevollmächtigten
Vermöge Auftrages
Lichtenstein Krause

Abschrift
Die Prüfung ist nach dem ####
der K. Pr. C. vom ## ### 35
Nr. C. 1365 <?> genehmigt.
###########
Wir Rector und Senat der Königlichen Friedrich Wilhelms Universität zu Berlin bekunden durch dieses Abgangszeugniß, daß Herr Johann Kaspar Schmidt, geboren zu Baireuth, Sohn des daselbst verstorbenen Instrumentenmachers Schmidt, bereits großjährig, zu den akademischen Studien auf dem Gymnasium zu Baireuth vorbereitet, auf dem Grund genügender Zeugnisse zum ersten mal am 18ten October 1826 und auf dem Grund des Abgangs-Zeugnisses der Universität zu Erlangen zum zweiten mal am 28 ten November 1832 bei uns immatrikulirt worden ist, sich seit dem bis zum Schluß des Sommersemesters 1833/34 als Studirender hier aufgehalten, und sich der philosophischen Wissenschaften beflißen hat.
Während dieses Aufenthaltes hat derselbe bei unserer Universität nach den vorgelegten Zeugnißen die nachstehend verzeichneten Vorlesungen gehört:
I. Im Wintersemester 1832/33
wegen Krankheit keine
II. Im Sommersemester
1. Plato's Republik, bei dem H. Prof. Boeckh sehr fleißig

<Rückseite>
2. Properz, bei dem H. Professor Lachmann, fleißig
3. Aristoteles Leben, Schriften und Philosophie bei dem H. Prof: Michelet mit vielem Fleiße
III. Im Winter-Semester 1833/34
keine
Hinsichtlich seines Verhaltens auf hiesiger Universität ist in disciplinarischer und ökonomischer Rücksicht nichts Nachtheiliges vorgekommen.
Einer Theilnahme an verbotener Verbindung unter Studierenden ist derselbe bei der hiesigen Universität bisher nicht bezüchtigt geworden.
Zu Urkund dessen ist dieses Zeugnis unter dem Insiegel der Universität ausgefertigt, und von dem zeitigen <?> Rektor, und von dem Richter, auch von dem gegenwärtigen Dekan der philosophischen Fakultät eigenhändig unterzeichnet worden.
Berlin den 27. Maerz 1832
Straub <?> Krause # # Hagen <?>
(L. S.)
Gesehen durch den Regierungs-Bevollmächtigten
Vermöge Auftrages
Straub <?> Krause

Erstmals publiziert von Rolf Engert, 1923; Transkription von Dr. phil. Bernhard J. Piegsa, M. A.

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